Mit einem Wertpapierkredit (Lombardkredit) beleihst du dein Depot: Die Bank leiht dir Geld, deine Wertpapiere dienen als Sicherheit. Sollzinsen fallen in der Regel nur auf den tatsächlich genutzten Betrag an. Die Sätze sind variabel und können sich kurzfristig ändern.
In der Vergleichstabelle unten findest du die Konditionen verschiedener Depotanbieter, die Wertpapierkredite für österreichische Privatanleger anbieten.
Je nach Anbieter darf ein Wertpapierkredit nur für Wertpapierkäufe eingesetzt werden oder er ist frei verwendbar. Bei flatex in Österreich kannst du einen Kredit ohne Zweckbindung auf dein Girokonto auszahlen. Scalable Credit ist für österreichische Depots derzeit nicht freigeschaltet.
Bei Interactive Brokers (Irland) geht eine Auszahlung nur indirekt. Der Kredit wird nicht als Überweisung angewiesen. Du verkaufst stattdessen liquide Wertpapiere leer, zum Beispiel den Geldmarktfonds DBX0AN, und überweist das Cash, das dadurch im Depot entsteht.
Beispiel: Du verkaufst den DBX0AN über €20k leer. Die €20k Cash überweist du auf dein Girokonto. Unmittelbar danach kaufst du für €20k denselben Geldmarktfonds auf Margin und schließt den Short. Übrig bleibt eine Margin-Schuld von −€20k, die du später ausgleichst.
Der Leerverkauf dient nur dazu, zuerst einen positiven Cash-Saldo zu erzeugen. Auszahlen kannst du nur Guthaben, kein Minus. Anschließend löst du den Short durch den Kauf auf Margin wieder auf. Kosten dieses Wegs sind Spread, Transaktionskosten und die laufenden Margin-Zinsen. Damit wird auch der IBKR-Kredit zu einem günstigen Wertpapierkredit.
Eine zweite, noch günstigere, aber komplexere Variante bei IBKR sind Box Spreads.
Alle Sollzinssätze sind variabel. In der Spalte Konditionen steht jeweils eine Angabe zum Stand der Daten.
Mit einem Wertpapierkredit leihst du dir Geld und verpfändest dafür die Wertpapiere in deinem Depot. Die Bank oder der Broker räumt dir einen Kreditrahmen ein, aus dem du nach Bedarf Geld abrufst. Deine Aktien, Fonds und ETFs musst du dafür nicht verkaufen. Sie bleiben in deinem Eigentum, und Ausschüttungen sowie Kursgewinne gehören weiterhin dir.
In Österreich ist für dieses Produkt auch der Begriff Lombardkredit verbreitet. Manche Banken sprechen von Wertpapierbeleihung oder Lombardfinanzierung, Online-Broker meist von Wertpapierkredit oder Margin-Kredit. Technisch läuft der Kredit oft als Überziehung des Verrechnungskontos. Das ist das Konto, über das Käufe, Verkäufe und Ausschüttungen deines Depots abgerechnet werden. Sobald du mehr Geld verwendest, als darauf liegt, entsteht ein Sollsaldo, also ein Minus auf dem Konto, für das du Zinsen zahlst.
Vom Konsumkredit und vom Überziehungsrahmen auf dem Girokonto unterscheidet sich der Wertpapierkredit vor allem durch die Sicherheit. Beim Konsumkredit zählen Einkommen und Bonität, also deine Kreditwürdigkeit, beim Wertpapierkredit in erster Linie der Wert deiner Wertpapiere. Deshalb sind die Zinsen meist niedriger. Dafür hängt die Höhe deines Kreditrahmens von der Entwicklung an der Börse ab.
Wie viel du abrufen kannst, ergibt sich aus dem Beleihungswert. Die Bank legt für jede Wertpapierart eine Beleihungsquote fest. Das ist der Prozentsatz des aktuellen Kurswerts, den sie als Sicherheit akzeptiert. Der Rest dient ihr als Puffer gegen Kursschwankungen.
Angenommen, du hast Aktien und Fonds im Wert von 40.000 Euro, und die Bank rechnet mit einer Beleihungsquote von 65%. Dann beträgt der Beleihungswert 26.000 Euro. Bis zu diesem Betrag kannst du den Kredit in Anspruch nehmen. Du entscheidest dich für 15.000 Euro und lässt die übrigen 11.000 Euro als Reserve stehen.
Ein halbes Jahr später liegen die Kurse um 25% tiefer. Das Depot ist nur noch 30.000 Euro wert, der Beleihungswert beträgt 19.500 Euro. Dein Kredit von 15.000 Euro bleibt gedeckt, und du hast noch 4.500 Euro Spielraum. Eng wird es erst, wenn das Depot unter etwa 23.100 Euro fällt. Das entspräche einem Rückgang von rund 42% gegenüber dem Ausgangswert.
Hättest du die vollen 26.000 Euro abgerufen, wäre dein Kredit nach demselben Kursrückgang um 6.500 Euro unterdeckt. Die Bank würde dich auffordern, Geld nachzuschießen oder Wertpapiere zu verkaufen. Wie viel du in diesem Fall verkaufen müsstest, rechnen wir im Abschnitt über Margin Call und Zwangsverkauf vor.
Die Höhe der Beleihungsquote richtet sich nach dem Risiko des Wertpapiers. Anleihen guter Bonität und Geldmarktfonds werden in der Regel höher beliehen als Aktien, Aktien aus großen Indizes höher als Nebenwerte. Optionsscheine, Hebel- und Knock-out-Zertifikate zählen bei den meisten Anbietern gar nicht als Sicherheit. Die Quoten der einzelnen Anbieter siehst du, soweit veröffentlicht, in der Vergleichstabelle oben.
Am besten passt ein Wertpapierkredit zu einem zeitlich begrenzten Geldbedarf. Typische Beispiele sind die Überbrückung bis zur Auszahlung einer Abfertigung, bis zur Fälligkeit einer Lebensversicherung oder bis zum Eingang einer größeren Zahlung. Statt Wertpapiere zu verkaufen und schon jetzt Kapitalertragsteuer (KESt) auf die Kursgewinne zu zahlen, behältst du dein Depot und zahlst für die Dauer der Überbrückung Zinsen.
Du kannst mit dem Kredit auch zusätzliche Wertpapiere kaufen. Damit investierst du mehr, als dein eigenes Kapital erlauben würde. Gewinne fallen dann höher aus, Verluste aber ebenso. Ob sich das rechnet, hängt davon ab, ob die Wertpapiere langfristig mehr abwerfen, als der Kredit kostet. Maßstab ist der Sollzins, also der Zinssatz, den du für den Kredit zahlst. Die Rendite nach KESt muss darüber liegen, weil die Kreditzinsen in Österreich die Steuer nicht mindern.
Nicht jeder Kredit darf frei verwendet werden. Bei einem zweckgebundenen Kredit bleibt das Geld im Depot und steht nur für Wertpapierkäufe zur Verfügung. Ein Kredit ohne Zweckbindung lässt sich auch privat nutzen, etwa indem du ihn auf dein Girokonto überweist. In Österreich bietet zum Beispiel flatex einen solchen frei verwendbaren Kredit an. Welche Regel bei den anderen Anbietern gilt, zeigt die Vergleichstabelle oben.
Ungeeignet ist ein Wertpapierkredit, wenn du damit über längere Zeit laufende Ausgaben deckst oder ihn bei Bedarf nicht rasch tilgen könntest. Auch eine Wohnraumfinanzierung ersetzt er nicht. Dafür gibt es Kredite mit fixer Laufzeit und planbarer Rate, und manche Anbieter schließen die Finanzierung von Immobilien ausdrücklich aus.
Für den Kredit zahlst du einen Sollzins, der bei fast allen Anbietern variabel ist. Häufig setzt er sich aus einem Referenzzins, meist dem 3-Monats-Euribor, und einem fixen Aufschlag zusammen. Ändert sich der Euribor, ändert sich auch dein Zinssatz, bei manchen Banken quartalsweise zu festen Stichtagen. Andere Anbieter nennen einen eigenen Satz, den sie bei Bedarf anpassen.
Achte darauf, wie der ausgewiesene Satz zustande kommt. Bei DADAT ergibt er sich zum Beispiel aus einem höheren Sollzins abzüglich eines freiwilligen Bonus, den die Bank ändern kann. Banken mit persönlicher Beratung, etwa Erste Bank oder Schelhammer Capital, veröffentlichen oft gar keinen Satz und vereinbaren den Zins individuell.
Zinsen fallen in der Regel nur auf den genutzten Betrag an. Ein Rechenbeispiel mit einem angenommenen Sollzins von 6% pro Jahr: Nimmst du 12.000 Euro für drei Monate in Anspruch, kostet das rund 180 Euro. Der nicht abgerufene Teil deines Rahmens bleibt zinsfrei, sofern der Anbieter keine Bereitstellungsprovision verrechnet. Ordergebühren für Käufe und Verkäufe im Depot kommen unabhängig vom Kredit hinzu.
Wenn die Kurse fallen, schrumpft der Beleihungswert deines Depots, während die Kreditsumme gleich bleibt. Sinkt der Beleihungswert unter den Kreditbetrag, ist der Kredit nicht mehr ausreichend besichert. Die Bank verlangt dann, dass du die Deckung wiederherstellst. Diesen Vorgang nennt man Margin Call oder Nachschussaufforderung.
Du kannst Geld auf das Verrechnungskonto überweisen oder Wertpapiere verkaufen. Verkäufe helfen weniger, als es auf den ersten Blick scheint, weil mit jedem verkauften Wertpapier auch dessen Beleihungswert wegfällt. Bei einer Beleihungsquote von 65% verbessert jeder verkaufte Euro die Deckung nur um 35 Cent. Im Beispiel von oben fehlen nach dem Kursrückgang 6.500 Euro. Du schließt die Lücke entweder mit einer Einzahlung von 6.500 Euro oder mit dem Verkauf von Wertpapieren für rund 18.600 Euro.
Kommst du der Aufforderung nicht fristgerecht nach, kann die Bank deine Wertpapiere verkaufen. Ein solcher Zwangsverkauf, auch Glattstellung genannt, erfolgt meist in einer Phase fallender Kurse. Die Verluste sind damit endgültig, und von einer späteren Erholung profitierst du nicht mehr. Bei Interactive Brokers gibt es keine Frist: Wird die Mindestanforderung unterschritten, verkauft der Broker automatisch so viele Positionen, bis sie wieder erfüllt ist.
Zwei weitere Risiken kommen hinzu. Ein variabler Zins kann steigen, während du den Kredit nutzt. Und wenn du mit dem Kredit Wertpapiere kaufst, kannst du mehr verlieren als dein eingesetztes Kapital. Halte deshalb einen großzügigen Abstand zur Beleihungsgrenze und beleihe bevorzugt breit gestreute Wertpapiere.
Bei Online-Brokern hat ein Wertpapierkredit meist weder eine fixe Laufzeit noch eine monatliche Rate. Du tilgst nach eigenem Ermessen, indem du Geld auf das Verrechnungskonto einzahlst oder Wertpapiere verkaufst. Für jeden zurückgezahlten Euro endet die Verzinsung sofort.
Bei Filialbanken gibt es daneben Lombardkredite mit vereinbarter Laufzeit. Die Erste Bank nennt für ihre Lombardfinanzierung zum Beispiel typische Laufzeiten von mehreren Jahren. In diesem Fall gelten die Tilgungsregeln aus dem Kreditvertrag, und eine vorzeitige Rückzahlung kann anders geregelt sein als beim flexiblen Rahmen.
Bedenke, dass auch die Bank den Rahmen anpassen kann. Sie kann Beleihungsquoten senken, Wertpapiere aus der Beleihung nehmen oder den Kredit nach den vereinbarten Bedingungen kündigen. Bei easybank zum Beispiel hast du keinen Anspruch darauf, dass die Bank das Minus auf dem Konto weiter duldet.
Bei flatex in Österreich kannst du den frei verwendbaren flex-Kredit direkt auf dein Girokonto überweisen. Bei anderen Anbietern ist eine Auszahlung entweder ausgeschlossen, weil der Kredit nur für Wertpapierkäufe gedacht ist, oder in den Bedingungen nicht eindeutig geregelt. Die Verwendungsregeln der einzelnen Anbieter siehst du in der Vergleichstabelle oben. Scalable Capital hat seinen Kredit für Kundinnen und Kunden mit Wohnsitz in Österreich derzeit nicht freigeschaltet.
Interactive Brokers überweist keine Kreditbeträge, sondern nur vorhandenes Guthaben. Um trotzdem Geld auf dein Girokonto zu bekommen, verkaufst du einen liquiden Geldmarktfonds leer, etwa den DBX0AN. Bei einem Leerverkauf verkaufst du Fondsanteile, die du dir dafür vom Broker leihst. Der Verkaufserlös erscheint als Guthaben auf deinem Konto und lässt sich überweisen. Anschließend kaufst du den Fonds mit Kredit zurück. Damit ist die Short-Position geschlossen, und es bleibt ein negativer Saldo, also dein Kredit.
Die einzelnen Schritte mit Rechenbeispiel und die damit verbundenen Kosten findest du in der Beschreibung über der Vergleichstabelle.
Vergleiche zuerst den Sollzins und prüfe, worauf er sich bezieht: auf den genutzten Betrag oder auf einen fixen Rahmen. Achte auch darauf, ob er an den Euribor gebunden ist, ob ein Bonus enthalten ist, den die Bank streichen kann, und ob Bereitstellungs- oder Kontoführungsgebühren anfallen.
Genauso wichtig sind die Beleihungsquoten für deine konkreten Wertpapiere und die Frage, ob du das Geld frei verwenden und auszahlen darfst. Ein günstiger Zins hilft dir wenig, wenn der Anbieter deine Fonds nur gering anrechnet oder den Kredit auf Wertpapierkäufe beschränkt.
Ein Wertpapierkredit setzt voraus, dass deine Wertpapiere beim kreditgebenden Anbieter liegen. Führt dein Broker keinen Kredit, eröffnest du ein Depot bei einem anderen Anbieter und überträgst die gewünschten Wertpapiere. In Österreich verrechnen viele Banken dafür eine Gebühr, manche übertragen kostenlos oder zahlen eine Wechselprämie. Aktuelle Prämien findest du in unserem Depotwechsel-Vergleich für Österreich.
DEGIRO eröffnet in Österreich keine neuen Depots mehr, die Marke geht in flatex auf. Neukundinnen und Neukunden können stattdessen den flex-Kredit von flatex nutzen.
Bei einem Wertpapierkredit dient dein Wertpapierdepot als Sicherheit. Du verpfändest der Bank deine Aktien, Fonds und ETFs und bekommst dafür einen Kreditrahmen. Aus diesem Rahmen rufst du so viel Geld ab, wie du gerade brauchst. Die Wertpapiere bleiben in deinem Depot, und Kursgewinne sowie Ausschüttungen stehen weiterhin dir zu.
Wie groß der Rahmen ist, richtet sich nach dem Beleihungswert. Die Bank setzt dafür jede Position mit einer Beleihungsquote an, also mit dem Prozentsatz des Kurswerts, den sie als Sicherheit akzeptiert. Liegen in deinem Depot Fonds im Wert von 40.000 Euro und beträgt die Beleihungsquote 65%, kannst du bis zu 26.000 Euro in Anspruch nehmen. Sinken die Kurse, wird der Rahmen kleiner.
Anders als bei einem Konsumkredit gibt es meist keine fixe Rate und keine fixe Laufzeit. Du zahlst variable Zinsen auf den abgerufenen Betrag und tilgst, wann du möchtest. Österreichische Banken nennen das Produkt oft auch Lombardkredit oder Wertpapierbeleihung.
In der Praxis ja: Gemeint ist fast immer ein Kredit gegen verpfändete Wertpapiere. Genau genommen ist Lombardkredit aber der weitere Begriff, denn auch Kredite gegen andere bewegliche Pfänder wie Gold oder Lebensversicherungen zählen dazu. Er ist zugleich der traditionelle Ausdruck der Banken. Wertpapierkredit und Margin-Kredit sind die Bezeichnungen, die vor allem Online-Broker verwenden. Manche Banken sprechen außerdem von Wertpapierbeleihung oder Lombardfinanzierung.
Wichtiger als der Name sind die Konditionen. Manche Kredite sind frei verwendbar, andere nur für Wertpapierkäufe gedacht. Bei Online-Brokern läuft der Kredit meist als flexibler Rahmen ohne Laufzeit, bei Filialbanken teils als Finanzierung mit vereinbarter Laufzeit. Welche Regeln gelten, steht in den Kreditbedingungen des jeweiligen Anbieters.
Das legt jeder Anbieter selbst fest. Ist der Kredit zweckgebunden, darfst du das Geld nur für den Kauf weiterer Wertpapiere im selben Depot verwenden. Eine Überweisung auf dein Girokonto ist dann nicht vorgesehen.
Ist der Kredit frei verwendbar, kannst du das Geld auch privat einsetzen, etwa für eine größere Anschaffung, eine Steuernachzahlung oder die Überbrückung bis zu einer erwarteten Zahlung. In Österreich bietet zum Beispiel flatex mit dem flex-Kredit einen solchen frei verwendbaren Kredit an. Manche Anbieter schließen einzelne Zwecke aus, häufig die Finanzierung von Immobilien.
Ob ein Kredit zweckgebunden ist, siehst du für jeden Anbieter in der Vergleichstabelle oben. Rechtlich maßgeblich sind die Kreditbedingungen, die du vor Vertragsabschluss bekommst.
Bei flatex in Österreich ja. Der flex-Kredit ist nicht zweckgebunden, und du kannst den abgerufenen Betrag vom Verrechnungskonto auf dein Girokonto überweisen. Ab der Überweisung zahlst du Zinsen auf diesen Betrag.
Bei Interactive Brokers ist eine direkte Auszahlung des Kredits nicht möglich, weil der Broker nur Guthaben überweist. Der Umweg führt über einen Leerverkauf: Du verkaufst zum Beispiel für 20.000 Euro Anteile eines börsengehandelten Geldmarkt-ETFs wie des DBX0AN, die du dir dafür vom Broker leihst. Ein solcher ETF bildet ungefähr den Tagesgeldzins ab. Den Erlös überweist du auf dein Girokonto. Danach kaufst du die gleiche Anzahl Anteile mit Kredit zurück. Damit ist die Short-Position, also die offene Leerverkaufsposition, geschlossen, und es bleibt ein Kredit von rund 20.000 Euro.
Kosten entstehen durch den Spread zwischen Verkaufs- und Kaufkurs, durch die Ordergebühren und durch die Margin-Zinsen, die Interactive Brokers für das Minus auf deinem Konto verrechnet. Die einzelnen Schritte beschreiben wir ausführlich über der Vergleichstabelle. Bei den übrigen Anbietern prüfst du in den Bedingungen, ob eine Auszahlung vorgesehen ist.
Das Hauptrisiko sind fallende Kurse. Sinkt der Wert deines Depots, schrumpft auch die Sicherheit, während dein Kredit gleich hoch bleibt. Reicht die Sicherheit nicht mehr aus, musst du kurzfristig Geld nachschießen oder Wertpapiere verkaufen. Andernfalls verkauft die Bank selbst, häufig zu niedrigen Kursen.
Kaufst du mit dem Kredit weitere Wertpapiere, wirkt er wie ein Hebel. Ein Beispiel: Du setzt 30.000 Euro eigenes Geld und 15.000 Euro Kredit ein, insgesamt also 45.000 Euro. Fallen die Kurse um 20%, ist das Depot noch 36.000 Euro wert. Nach Abzug des Kredits bleiben dir 21.000 Euro. Dein eigenes Kapital ist damit um 30% geschrumpft, obwohl die Kurse nur um 20% gefallen sind. Die Zinsen kommen noch dazu.
Außerdem kann der variable Zinssatz steigen, solange du den Kredit nutzt. Nimm deshalb nur so viel in Anspruch, dass du auch einen kräftigen Kursrückgang und höhere Zinsen verkraften kannst, ohne verkaufen zu müssen.
Ein Margin Call ist die Aufforderung der Bank, zusätzliche Sicherheiten zu leisten, weil dein Kredit nicht mehr ausreichend gedeckt ist. Ausgelöst wird er meist durch fallende Kurse: Der Beleihungswert deines Depots liegt dann unter dem Betrag, den du dir geliehen hast. Österreichische Banken sprechen auch von einer Nachschussaufforderung.
In der Regel hast du zwei Möglichkeiten: Du überweist Geld auf das Verrechnungskonto, oder du verkaufst Wertpapiere und verringerst mit dem Erlös deinen Kredit. Zusätzliche Wertpapiere einzuliefern, ist zwar möglich, dauert aber meist zu lange. Banken nennen dir dafür in der Regel eine Frist. Lässt du sie verstreichen, kann die Bank deine Wertpapiere ohne weitere Rückfrage verkaufen. Bei Interactive Brokers gibt es keine Frist: Unterschreitet dein Konto die geforderte Mindestsicherheit, verkauft der Broker automatisch Positionen.
Ein Rechenbeispiel: Bei einem Depotwert von 60.000 Euro und einer Beleihungsquote von 60% hast du einen Kredit von 30.000 Euro aufgenommen. Die Kurse fallen um 25%. Das Depot ist nun 45.000 Euro wert, der Beleihungswert 27.000 Euro. Es fehlen 3.000 Euro. Du kannst 3.000 Euro einzahlen oder Wertpapiere für 7.500 Euro verkaufen. Der Verkaufsbetrag ist höher, weil jeder verkaufte Euro die Deckung nur um 40 Cent verbessert.
Das ist möglich und hängt vom Anbieter und vom Vertrag ab. In Österreich sammeln vor allem der KSV1870 und CRIF Daten zu Krediten und zum Zahlungsverhalten. Viele österreichische Banken melden Kredite und Kontorahmen außerdem an die Kleinkreditevidenz, die der KSV1870 für die Kreditwirtschaft führt.
Ein gemeldeter Kreditrahmen ist kein negativer Eintrag, solange du deine Verpflichtungen erfüllst. Andere Kreditgeber sehen aber, dass dir bereits ein Rahmen eingeräumt ist, und berücksichtigen das zum Beispiel bei einer Wohnbaufinanzierung. Negativ wirken sich Zahlungsrückstände aus, etwa wenn nach einem Zwangsverkauf deiner Wertpapiere noch eine Restschuld offen bleibt, die du nicht begleichst.
Ausländische Broker wie Interactive Brokers mit Sitz in Irland melden in der Regel nicht an österreichische Auskunfteien. Was über dich gespeichert ist, kannst du mit einer kostenlosen Auskunft nach Art. 15 DSGVO beim KSV1870 und bei CRIF erfragen.
Der Zinssatz eines Wertpapierkredits ist in aller Regel variabel. Er kann sich ändern, solange du den Kredit nutzt, ohne dass du einen neuen Vertrag unterschreibst.
Häufig ist der Zins an den 3-Monats-Euribor gekoppelt. Das ist ein Referenzzins, zu dem sich Banken im Euroraum untereinander Geld für drei Monate leihen. Die Bank addiert einen fixen Aufschlag und passt den Gesamtsatz in regelmäßigen Abständen an, zum Beispiel quartalsweise. Steigt der Euribor um 0,5 Prozentpunkte, steigt dein Zins im gleichen Ausmaß. Andere Anbieter setzen einen eigenen Zinssatz fest, den sie nach ihren Bedingungen ändern können.
Fixe Zinsen sind bei Wertpapierkrediten die Ausnahme. Auch Lombardfinanzierungen von Filialbanken mit vereinbarter Laufzeit sind häufig an den Euribor gebunden. Die Sätze in der Vergleichstabelle oben zeigen den Stand der letzten Überprüfung und können sich seither geändert haben.
Bei den meisten Online-Brokern zahlst du zurück, wann du willst. Es gibt keinen Tilgungsplan und keine monatliche Rate. Du zahlst Geld auf das Verrechnungskonto ein oder verkaufst Wertpapiere, und dein Sollsaldo, also das Minus auf dem Konto, verringert sich entsprechend. Für den getilgten Betrag fallen ab diesem Tag keine Zinsen mehr an.
Bei Lombardfinanzierungen von Filialbanken kann eine Laufzeit vereinbart sein. Dann gelten die Rückzahlungsregeln aus dem Kreditvertrag. Frag in diesem Fall vor dem Abschluss nach, ob und zu welchen Bedingungen du vorzeitig tilgen kannst.
Unabhängig davon kann eine Rückzahlung nötig werden, wenn die Kurse fallen und die Bank einen Margin Call auslöst, oder wenn sie den Kreditrahmen kündigt oder verkleinert. Plane deshalb so, dass du einen Teil des Kredits auch kurzfristig zurückführen könntest.
Kosten außerhalb des Sollzinses sind möglich, müssen aber im Preisblatt des Anbieters stehen. Dazu gehören zum Beispiel eine Bereitstellungsprovision für den eingeräumten Rahmen, Kontoführungsgebühren oder Bearbeitungsentgelte. flatex gibt zum Beispiel an, für Bearbeitung und Verwaltung des Kredits keine Zusatzkosten zu verrechnen.
Achte außerdem darauf, wie der ausgewiesene Zinssatz zustande kommt. Bei DADAT ergibt er sich aus einem höheren Sollzins abzüglich eines freiwilligen Bonus, den die Bank ändern kann. Fällt der Bonus weg, steigen deine Kosten, ohne dass sich der Referenzzins bewegt hat.
Indirekte Kosten entstehen durch Ordergebühren, wenn du mit dem Kredit Wertpapiere kaufst oder zur Tilgung verkaufst. Wer sich das Geld über Interactive Brokers auszahlen lässt, zahlt außerdem den Spread und zweimal Ordergebühren.
Das hängt von deinen Wertpapieren und vom Anbieter ab. Für große Aktien, breit gestreute Aktienfonds und ETFs sind Beleihungsquoten zwischen etwa 50% und 70% üblich. Anleihen sehr guter Bonität und Geldmarktfonds werden oft höher angerechnet, Nebenwerte und Anleihen schwächerer Schuldner niedriger. Hebelprodukte wie Optionsscheine und Knock-out-Zertifikate zählen meist mit 0%.
Ein Beispiel für ein gemischtes Depot: Anleihen im Wert von 20.000 Euro werden mit 70% beliehen, Aktienfonds im Wert von 30.000 Euro mit 60%. Der Beleihungswert beträgt 14.000 Euro plus 18.000 Euro, also 32.000 Euro. Bei einem Depotwert von 50.000 Euro entspricht das 64%.
Banken mit persönlicher Beratung, etwa Erste Bank oder Schelhammer Capital, nennen ihre Konditionen nur auf Anfrage. Die veröffentlichten Quoten der übrigen Anbieter findest du in der Vergleichstabelle oben.
Ja, Käufe und Verkäufe bleiben möglich. Nach jeder Transaktion ermittelt die Bank den Beleihungswert neu, also den Teil deines Depots, den sie als Sicherheit anrechnet.
Dadurch kann sich dein Kreditrahmen verkleinern, obwohl der Depotwert unverändert ist. Tauschst du etwa einen Aktienfonds im Wert von 8.000 Euro, der mit 60% angerechnet wird, gegen Knock-out-Zertifikate mit 0%, sinkt dein Beleihungswert um 4.800 Euro. Liegt dein Kredit danach über dem neuen Beleihungswert, folgt ein Margin Call, und du musst Geld nachschießen oder Wertpapiere verkaufen.
Informiere dich deshalb vor einer Umschichtung über die Beleihungsquoten der neuen Wertpapiere. Liegst du knapp an der Grenze, tilge vorher einen Teil des Kredits.
In der Regel nicht. Erträge aus Kapitalvermögen, also Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne, unterliegen in Österreich der Kapitalertragsteuer (KESt) mit einem Sondersteuersatz von 27,5%, für Zinsen aus Bankeinlagen gelten 25%. Aufwendungen, die mit solchen Einkünften zusammenhängen, darfst du nach dem Einkommensteuergesetz nicht abziehen. Dieses Abzugsverbot erfasst auch Kreditzinsen, wenn du mit dem Kredit Wertpapiere finanzierst.
Das Abzugsverbot gilt auch dann, wenn du die Regelbesteuerungsoption nutzt, deine Kapitalerträge also auf Antrag mit deinem persönlichen Einkommensteuertarif versteuerst. Anders kann die Lage sein, wenn du das Geld für eine andere Einkunftsquelle verwendest, etwa für deinen Betrieb oder eine vermietete Wohnung. Dann können die Zinsen Betriebsausgaben oder Werbungskosten dieser Einkünfte sein. Entscheidend ist, wofür das Geld tatsächlich eingesetzt wird.
Diese Hinweise sind keine Steuerberatung. Für deine konkrete Situation wende dich an eine Steuerberaterin oder einen Steuerberater.
In der Regel nicht. Banken gewähren einen Wertpapierkredit fast immer nur auf Wertpapiere, die sie selbst verwahren. Nur so kann die Bank den Wert laufend überwachen und die Wertpapiere bei Bedarf verkaufen.
Willst du den Kredit eines anderen Anbieters nutzen, eröffnest du dort ein Depot und lässt die Wertpapiere übertragen. Den Übertragungsauftrag erhältst du beim neuen Anbieter. Sobald die Wertpapiere eingebucht sind, prüft er, welche davon beleihbar sind. In Österreich kostet ein Depotübertrag oft Gebühren, manche Anbieter gleichen das mit einer Wechselprämie aus.
Du kannst auch nur einen Teil deiner Wertpapiere übertragen und das bisherige Depot behalten. Beim Übertrag werden die Anschaffungsdaten mitgeteilt, sodass Altbestand seinen Status behält. Gemeint sind Aktien und Fondsanteile, die du vor dem 1. Januar 2011 gekauft hast und deren Kursgewinne in der Regel steuerfrei sind. Beleihen kann die neue Bank aber nur das, was bei ihr liegt.
Dann brauchst du ein Depot bei einem Anbieter, der einen Wertpapierkredit führt. Ein Kredit ist immer nur dort möglich, wo deine Wertpapiere verwahrt werden. Trade Republic und einige andere Broker bieten in Österreich keinen Wertpapierkredit an.
Dein bisheriges Depot kannst du behalten. Prüfe aber im Preisblatt, ob dafür laufende Gebühren anfallen. Viele Online-Broker führen Depots kostenlos, Filialbanken verlangen oft eine Depotgebühr. Die Wertpapiere, die du beleihen möchtest, lässt du ganz oder teilweise ins neue Depot übertragen. Das Formular dafür stellt dir der neue Broker zur Verfügung.
In Österreich ist ein Depotübertrag häufig gebührenpflichtig. Manche Banken übertragen aber kostenlos, andere zahlen eine Wechselprämie, die die Gebühr ausgleicht oder sogar übersteigt.
Wenn du ohnehin neue Wertpapiere kaufen möchtest, kannst du das alte Depot unverändert lassen und die Käufe im neuen Depot tätigen. Dort entsteht nach und nach ein Bestand, den du beleihen kannst.
Bist du in Österreich steuerpflichtig, lohnt es sich in der Regel nicht, Wertpapiere zu verkaufen, nur um sie im neuen Depot wieder zu kaufen. Auf realisierte Kursgewinne fällt KESt an, und dazu kommen Ordergebühren für Verkauf und Kauf. Besonders ungünstig ist ein Verkauf bei Altbestand, also bei Aktien und Fondsanteilen, die du vor dem 1. Januar 2011 gekauft hast. Deren Kursgewinne sind in der Regel steuerfrei, und bei einem Depotübertrag bleibt dieser Status erhalten. Kaufst du nach einem Verkauf neu, ist er verloren.
Anders sieht es aus, wenn du in der Schweiz steuerpflichtig bist. Dort sind private Kursgewinne in der Regel steuerfrei, sodass Verkauf und Neukauf ein naheliegender Weg sein können. Auch dann fallen Ordergebühren an.
Sinnvoll kann ein Verkauf auch in Österreich sein, wenn du dich von bestimmten Wertpapieren ohnehin trennen willst. Angenommen, du hältst einige Einzelaktien, die du durch einen breit gestreuten ETF ersetzen möchtest. Du verkaufst die Aktien beim bisherigen Broker, überweist den Erlös auf dein Girokonto und von dort zum neuen Broker. Dort kaufst du den ETF und kannst ihn anschließend beleihen. Ob sich das für dich rechnet, prüfst du am besten vorab mit Blick auf Steuer und Gebühren.
Meist nicht. Bei den üblichen Wertpapierkrediten zahlst du Zinsen nur auf den Betrag, den du tatsächlich abgerufen hast. Hast du einen Rahmen von 20.000 Euro und nutzt 5.000 Euro, werden nur diese 5.000 Euro verzinst.
Prüfe trotzdem, ob der Anbieter eine Bereitstellungsprovision verlangt. Das ist ein Entgelt dafür, dass der Rahmen zur Verfügung steht, unabhängig davon, ob du ihn nutzt. Ob eine solche Provision anfällt, steht im Preisblatt.
Bei Lombardfinanzierungen mit festem Kreditbetrag ist es anders. Dort erhältst du den vereinbarten Betrag zur Gänze und zahlst Zinsen auf die volle Summe, auch wenn du einen Teil davon nicht brauchst.
Diese Banken vereinbaren den Zins individuell. Erste Bank und Schelhammer Capital nennen ihre Konditionen deshalb nur auf Anfrage. In die Kalkulation fließen in der Regel die Höhe des Kredits und die Zusammensetzung deines Depots ein.
Für einen Vergleich holst du bei diesen Banken ein schriftliches Angebot ein. Das kannst du dann den veröffentlichten Sätzen der Online-Broker gegenüberstellen. Achte dabei darauf, ob der angebotene Zins variabel ist, an welchen Referenzzins er gekoppelt ist und ob Gebühren hinzukommen.
Ja. Bei vielen Anbietern ist das sogar der vorgesehene Zweck. Du vergrößerst damit dein Depot über dein eigenes Kapital hinaus und erhöhst so deine Gewinnchancen, aber im selben Maß dein Verlustrisiko.
Die neu gekauften Wertpapiere erhöhen deinen Kreditrahmen nur um ihren Beleihungswert. Kaufst du zum Beispiel einen Fonds für 6.000 Euro, der mit 50% beliehen wird, wächst dein Kredit um 6.000 Euro, dein Rahmen aber nur um 3.000 Euro. Dein Abstand zur Beleihungsgrenze wird also um 3.000 Euro kleiner.
Rechne vorher nach, ob die erwartete Rendite nach Kapitalertragsteuer (KESt) den Sollzins übersteigt, denn die Kreditzinsen mindern deine Steuer nicht. Sinnvoll ist außerdem ein Geldpolster außerhalb des Depots. Damit kannst du eine Nachschussaufforderung erfüllen, ohne Wertpapiere zu einem schlechten Zeitpunkt abzugeben.
Vor allem drei Kostenarten spielen eine Rolle: Spread und Ordergebühren fallen einmalig an, die Margin-Zinsen laufend. Der Spread ist die Spanne zwischen dem Geldkurs, zu dem du an der Börse verkaufst, und dem Briefkurs, zu dem du kaufst. Bei einem liquiden ETF wie dem DBX0AN ist sie klein. Da der DBX0AN täglich ungefähr um den Tagesgeldzins zulegt, kostet dich jeder Tag, an dem der Leerverkauf offen ist, zusätzlich etwa diesen Zins.
Laufend zahlst du die Margin-Zinsen, also die Kreditzinsen von Interactive Brokers, auf das Minus, das nach dem Rückkauf auf deinem Konto bleibt. Diese Zinsen werden monatlich belastet und fallen an, bis du den Saldo ausgeglichen hast. Hältst du die Short-Position über Nacht offen, verrechnet der Broker zusätzlich eine Leihgebühr für die geliehenen Fondsanteile.
Eine günstigere, aber anspruchsvollere Alternative sind Box Spreads. Dabei kombinierst du vier Optionen so, dass sich ihre Kursrisiken weitgehend neutralisieren und bis zum Verfallstag ein fester Finanzierungssatz entsteht. Er liegt häufig unter dem Margin-Zins derselben Währung. Weil liquide Box Spreads vor allem auf US-Indizes gehandelt werden, entsteht dabei meist eine Dollar-Schuld mit Wechselkursrisiko. Dafür solltest du dich mit Optionen gut auskennen.
Ein Wertpapierkredit eignet sich für Anlegerinnen und Anleger mit einem breit gestreuten Depot, die für eine absehbare Zeit Geld brauchen. Sie müssen dafür keine Wertpapiere verkaufen und schieben die Kapitalertragsteuer (KESt) auf ihre Kursgewinne bis zu einem späteren Verkauf auf. Ihre langfristige Anlagestrategie bleibt erhalten.
Auch wer gezielt mit Hebel investieren möchte, kann einen Wertpapierkredit nutzen. Das setzt voraus, dass du die Risiken kennst, Verluste verkraften kannst und genug Liquidität hast, um einen Margin Call zu bedienen.
Nicht geeignet ist er, wenn du damit laufende Ausgaben auf Dauer finanzieren möchtest oder wenn dein Depot aus wenigen, stark schwankenden Titeln besteht. In solchen Fällen ist das Risiko eines Zwangsverkaufs zu hoch.
Sinnvoll ist ein Abstand, mit dem dein Depot auch einen tiefen Markteinbruch übersteht, ohne dass die Bank Nachschuss verlangt. Die Beleihungsgrenze ist dabei der volle Beleihungswert deines Depots. Wie groß er konkret sein sollte, hängt davon ab, wie stark deine Wertpapiere schwanken und wie viel Risiko du tragen willst.
Eine einfache Überlegung hilft: Nutzt du 40% deines Kreditrahmens, darf dein Depot um 60% fallen, bevor die Deckung nicht mehr reicht. Bei 80% Nutzung genügt schon ein Rückgang um 20%. Diese Faustformel gilt, wenn alle Wertpapiere im Depot ähnlich schwanken und die Beleihungsquoten unverändert bleiben.
Zum Vergleich: In der Finanzkrise 2008 und anderen großen Krisen haben breite Aktienmärkte zeitweise ein Drittel und mehr ihres Werts eingebüßt. Wer auch in einer solchen Phase ohne Nachschuss auskommen will, nutzt nur einen kleinen Teil des möglichen Rahmens.
Der Überziehungsrahmen auf dem Girokonto wird anhand deines Einkommens und deiner Bonität eingeräumt, also deiner Kreditwürdigkeit. Für einen Wertpapierkredit haftet dagegen dein Depot. Weil die Bank eine verwertbare Sicherheit hat, verlangt sie für den Wertpapierkredit in der Regel deutlich niedrigere Zinsen als für die Kontoüberziehung.
Dafür ist der Wertpapierkredit an die Börse gekoppelt. Sinken die Kurse, wird dein Kreditrahmen kleiner, und im ungünstigen Fall musst du Geld nachschießen oder Wertpapiere verkaufen. Beim Überziehungsrahmen spielt die Kursentwicklung keine Rolle.
Bei manchen österreichischen Anbietern sind die Begriffe nicht klar getrennt. DADAT bezeichnet ihr Produkt zum Beispiel als Kontoüberziehung, und auch bei easybank läuft die Wertpapierbeleihung als Überziehung des Kontos. Entscheidend ist, dass in beiden Fällen dein Depot als Sicherheit dient.
Manche Anbieter verlangen ein Mindestvolumen, andere nicht. Bei Online-Brokern ist die Schwelle oft niedrig oder es gibt gar keine. Banken mit persönlicher Beratung bieten Lombardfinanzierungen eher für größere Depots an und entscheiden im Einzelfall.
Wichtiger als die Größe ist die Zusammensetzung. Ein Depot im Wert von 15.000 Euro aus breit gestreuten Fonds ergibt bei einer Beleihungsquote von 60% einen Kreditrahmen von 9.000 Euro. Ein Depot gleicher Größe aus Hebelzertifikaten, die mit 0% angerechnet werden, ergibt keinen.
Neben Mindestgrenzen gibt es auch Obergrenzen für das vereinfachte Verfahren: Bei easybank brauchst du ab einem Kreditbetrag von 100.000 Euro einen gesonderten Kreditvertrag. Solche Schwellen und weitere Voraussetzungen stehen in den Bedingungen des jeweiligen Anbieters.